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Sonntagmorgen,
20. August 9 Uhr – Die Mitglieder des Lions Club Leipzig „Johann
Sebastian Bach“, begleitet von ihren Frauen und Kindern stehen
im Park an der Klingerbrücke und treffen Vorbereitungen zum
diesjährigen Entenrennen. Das Verkaufszelt wird aufgebaut und
kleine gelbe Quitschenten kistenweise angekarrt. Diese sind allerdings
nur für die heimische Badewanne. Die großen Plantscher
mit Strichcodes unter dem Bauch, befinden sich bereits auf dem Laster,
der sie später auf die Rennstrecke, ins kühle Nass, befördern
wird. Die mobilen Entenverkäufe/rinnen werden unterdessen mit
den restlichen Adoptionsscheinen und Souvenirenten ausge-stattet.
Schon in den Wochen zuvor hatten die Mitglieder des Clubs auf Veranstaltungen
und bei Aktionen in der Innenstadt mit charmantem Verkaufsgeschick
versucht, Adoptionsscheine für drei Euro pro Ente an Mann und
Frau zu bringen. Das war bis zum Start über 7000 Mal gelungen
So ziehen sie los, für die restlichen Adoptions-scheine, der
schon registrierten Enten, noch spendable Eltern zu finden. Auf
der Klingerbrücke postieren sich die Helfer. Ein Team an jeder
Ecke. So werden möglichst viele Passanten erreicht. Die erste
halbe Stunde gibt es allerdings nicht viel zu holen. Lediglich Jogger
und Hundebesitzer sind unterwegs. Nach und nach trudeln mehr und
mehr Schaulustige ein. Es stellt sich heraus: Einige sind der Meinung,
das Entenrennen beginne um zehn Uhr. Falsch gedacht. Um 11 Uhr,
wie plakatiert, werden die Sonnenbrillenenten zu Wasser gelassen.
Also noch genug Zeit für die Lionsfreunde, weitere Badewannenenten
unters Volk zu bringen und Adoptionseltern für die geschnäbelten
Sportler zu finden. Sobald die Leute hören, dass es sich um
eine wohltätige Aktion handelt, sind sie gerne bereit für
die kleine Ausgabe. „Entweder gewinnen wir etwas, ansonsten
haben wir etwas für den guten Zweck getan.“ Diesen Satz
hört man heute oft. Obendrein stimmt er auch. Man soll ja bekanntlich
jeden Tag eine gute Tat verrichten. Und wer weiß, vielleicht
kann man heute sogar ein neues Auto zum kostenlosen Fahren für
ein Jahr mit nach Hause nehmen. Oder einen der anderen zwanzig hochwertigen
Preise, wie Urlaub, Mountainbike oder Farbdrucker. Pünktlich
um elf Uhr werden dann annähernd 8000 Enten unter dem Beifall
mehrerer tausend Zuschauer zu Wasser gelassen. Doch wollen die kleinen
Schwimmer noch nicht so ganz aus sich herausgehen. Nach einigen,
anfänglich harten Schwimmzügen, planschten die Gummiquäker
munter auf der Stelle. Die Strömung im Elsterbecken kann nicht
unbedingt als reißend bezeichnet werden und als der Wind sich
dreht, scheint es, als wollten die Entchen sogar rückwärts
schwimmen. Bei einer strategischen Besprechungen mit der Notarin
und der helfenden Feuerwehr entschließt man sich kurzerhand,
einen der Schläuche, die zur Begrenzung der Rennstrecke genutzt
werden, zu nehmen und dem Entenpulk sanft Beine zu machen. Mit etwas
Zugkraft und diesem drückenden Argument müssen sich die
gelben Schwimmer dann doch überzeugen lassen, sich endlich
dem Ziel zu nähern. Damit auch diesmal wieder alles mit rechten
Dingen zugeht, sitzt die Notarin im Boot, um die Siegerenten persönlich
in Empfang zu nehmen. Durch die kleinen Schwimmschwierigkeiten hat
sich die Siegerehrung, normalerweise auf 13 Uhr angesetzt, um eine
Stunde verspätet. Hartgesottene, die schon seit 12 Uhr am Bootshaus
am Klingerweg ausharren, um bei der Siegerehrung den besten Platz
zu ergattern, müssen natürlich besonders lange warten.
Die Verpflegungsstände, das Fußballturnier und die Kinderattraktionen
versüßen allerdings das Warten. Aber dann geht es endlich
los. Der Chef der Lions und seine Assistenten betreten die Bühne,
auf der alle Preise aufgebaut sind. Mit lockerer Moderation motivieren
sie die Besucher. Jubeln auf Handzeichen und die Aussicht auf die
begehrten Preise heizen die Menge an. Mit der Nennung der einzelnen
Gewinnzahlen, quälend langsam, machen die Sprecher das Ganze
zusätzlich spannend. Jubelschreie werden immer wieder von gebannter
Stille abgelöst. Etwas schade ist, dass leider nicht alle Gewinner
anwesend sind. Der Gewinner des VW Fox ist gar nicht präsent,
was aber so schlimm auch nicht ist. Denn die Sieger-nummern werden
in der Tageszeitung und im Internet veröffentlicht. Auf jeden
Fall freut sich die Leiterin des Projekts Straßenkinder e.V.,
die in Bälde einen Scheck für ihre Straßenkinder
entgegennehmen kann. Ein neuer Bolzplatz, auf dem sich die Jugendlichen
dann so richtig austoben können, ist mit dem Geld geplant.
Und das nächste Entenrennen ist in Planung.
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